
© luener / PIXELIOhttp://www.pixelio.de
7
„Herr Walder kannten Sie den Toten?“
„Nein, ich habe ihn nie gesehen.“
„Sind Sie häufig hier?“
„Immer, wenn ich anstrengende Recherchewochen hinter mir habe, komme ich um mich zu erholen. Dann ertrage ich keine Menschen und Hamburg ist voll davon. Hier gibt es nur Möwen und Schafe, genau die richtige Gesellschaft.“
Margit registrierte die raue Stimme. Walder hangelte nach dem Päckchen Gauloises ohne Filter, das auf dem Kaminsims lag. „Darf ich?“
„Nur zu, ist doch Ihr Haus und Ihre Lunge,“ sagte Margit und ärgerte sich, dass sie wieder mal die Moralische herauskehrte.
„Hatte noch jemand einen Schlüssel?“
„Nein, ich mag es nicht, wenn jemand in meiner Privatsphäre herumschnüffelt.“
Die Einrichtung des Hauses machte eher den Eindruck eines Designhotels als den einer Privatwohnung. Ein schlichtes, schwarzes Ledersofa stand vor dem Kamin, der die Hälfte der Längswand des Wohnzimmers einnahm, keine Kissen, kein Teppich. Links neben der Küchentür stand ein Tisch mit zwei Stühlen, früher Bauhausstil. Bevor die Spurensicherung fertig war, war der Tisch mit Pizzaschachteln, Colaflaschen und mindestens zehn benutzten Gläsern übersät. So ähnlich hatte es auch um das Sofa herum ausgesehen. Walder hatte offenbar schon Ordnung gemacht und eine gewisse Sterilität wieder hergestellt, die Gemütlichkeit erst gar nicht aufkommen ließ. Nur noch die Chipskrümmel auf dem Boden erinnerten an den ungebetenen Gast. Der war schon auf dem Weg in die Pathologie.
Walder nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette und stieß den Rauch durch Mund und Nase wieder heraus. „Typ einsamer Wolf, der seine Mitmenschen auf Abstand hält,“ dachte Margit leicht angewidert: „Schade, dass sich gutaussehende Männer so schützen müssen.“
„Wann waren Sie das letzte Mal hier?“
„Vor drei Monaten.“
„Vielen Dank, Herr Walder, für heute habe ich keine Fragen mehr. Wie kann ich Sie erreichen, wenn weitere Fragen auftauchen?“
„Meinetwegen können sie meine Handynummer haben, wenn es unbedingt sein muss.“ Margit schrieb sich die Handynummer in ihren Notizblock und steckte ihn in die Innentasche ihrer Lederjacke.