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Der schwarze Alpha Romeo fuhr von der Autobahn ab. Ben Walder blinkte rechts. Er kannte die Strecke wie im Schlaf. In Gedanken ging er noch mal die Reportage durch, die am nächsten Samstag gesendet werden sollte. Als könnte er noch etwas ändern, ließen ihn die Gedanken nicht mehr los. Eine falsche Aussage und der Sender hatte einen Riesenskandal am Hals. Sein Kopf würde rollen, das war klar. Erst nach Jever nahm Ben die endlos langen, schilfbewachsenen Gräben wahr, die Kühe auf den Weiden, die sich unermüdlich drehenden Windräder. Das immer gleiche Bild beruhigte ihn. In der Ferne war die ehemalige Sophienmühle gerade noch im Dämmerlicht zu sehen. Noch eine Viertelstunde und er konnte den Kamin anzünden und sich mit einem Glas Rotwein in der Hand von drei anstrengenden Recherchewochen in Norwegen und noch einer im Sender erholen.
Das alte Bauernhaus hinter dem Deich hatte er vor acht Jahren gekauft, direkt nachdem er in die Hamburger Redaktion gewechselt war. Es war keins von den romantischen Reetdachhäusern. Doch darüber war er nur froh, denn die hohe Versicherung hätte er sich nicht leisten können und solch ein Dach macht zuviel Arbeit. Sein Haus hatte die richtige Größe für seine Bedürfnisse, ein gemütlicher Wohnraum, zwei Schlafzimmer, da hatte er Platz für Gäste, und eine große Tenne, die er gerne für sein Hobby Modellflugzeuge nutzte oder wenn er mal wieder eine von seinen berüchtigten Deichpartys feierte.
Ben bog in den unbefestigten Feldweg ein. Bei seinen Nachbarn brannte Licht. Die alten Leute gingen früh schlafen und waren etwas schwerhörig. Zum Glück, denn so beschwerten sie sich nicht über den Lärm, der manchmal von ihrem großstädtischen Nachbarn rüberwehte. Janssens waren Ende Siebzig, hielten noch ein paar Schafe und vermieteten eine Ferienwohnung. Zur Zeit nicht, das hatte Ben an dem schaukelnden Schild „Ferienwohnung frei“ gesehen. Nun noch die rumpelige Strecke am Deich lang. Für die Strecke war Ben zuständig, aber er kam nicht dazu, sie auszubessern. Im übrigen wusste er auch gar nicht, wie er das machen sollte. Ihn störten die Schlaglöcher nicht. Jetzt waren sie vom vielen Regen aufgeweicht und er musste vorsichtig um sie herum navigieren, weil er nicht erkennen konnte, wie tief sie in diesem Winter geworden waren.
Hinter dem Sichtschutzzaun tauchte endlich sein Haus auf. Er schaltete die Scheinwerfer aus, strich noch einmal die vollen dunklen Haare nach hinten und stieg aus dem Auto. Als das Innenlicht langsam ausging, stand er im Dunkel. Ben genoss das. Das Dauerlicht in der Stadt konnte er nicht lange ertragen. Zwischen Deich und Sichtschutzzaun hatte er seine Ruhe und in der Nacht war es richtig dunkel. In der Ferne hörte er die Nordsee rauschen, es war Flut. Ein herrlicher, milder Abend. Ben Walder sog die frische Luft ein und seufzte leise, als die Spannung der letzten Wochen von ihm abfiel. Ein Geräusch vom Deich ließ ihn aufschrecken. Seine Nerven lagen noch sehr blank. Es war eins von Janssens Schafen, das Hunger auf das Gras am Deich hatte und unermüdlich daran zupfte. Ben holte seine schwarze Lederreisetasche aus dem Kofferraum.