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Rund um die Nordsee freuten sich im letzten Jahr die Urlauber über angenehme Bade- und Planschtemperaturen. Aktuelle Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) haben bestätigt, was die Badefreudigen schon wussten: Noch im Oktober 2006 war die Wassertemperatur der Nordsee deutlich höher als in vergangenen Jahren. Sie war um 2,4 Grad auf 14,2 Grad gestiegen und damit noch 1 Grad wärmer als im Rekordjahr 2005.

Warm- und Kaltperioden hat die Nordsee schon immer gehabt. Seit dem Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren beobachten Meeresforscher einen Wechsel im Rhythmus von 5 bis 15 Jahren. Dabei lag die durchschnittliche Wassertemperatur der Nordsee, jeweils im Oktober 1968 bis 1993 gemessen, bei 11,8 Grad. Doch die neue Warmzeit hält nun schon 18 Jahre an. Die Temperatur stieg in dieser Zeit kontinuierlich um 0,13 Grad jährlich und hat in diesem Jahr einen vorläufigen Höhepunkt erreicht, der durch die überdurchschnittlich hohen Temperaturen im Juli und September erklärbar ist. Auch gelangen ganzjährig wärmere Strömungen aus dem Nordatlantik in die Nordsee.
Als Ursache für den kontinuierlichen Anstieg der Meerestemperatur wird der Klimawandel genannt. Das globale Ozeanüberwachungsprogramm ARGO meldet ein Vordringen von warmen Wassermassen Richtung Norden. Damit einhergehend wurden Algenteppiche beobachtet, die sich im Strom nach Norden bewegen. Ebenso wird schon seit Jahren vor dem Abschmelzen der arktischen Eismassen und seiner Folgen für den Golfstrom und das Klima in Nord- und Mitteleuropa gewarnt. Für die Nordseeregion werden zunächst stärkere und höhere Sturmfluten erwartet.
Außer der Temperatur ist auch der Salzgehalt der Nordsee gestiegen, die Lebensbedingungen in dem flachen Randmeer haben sich verändert. Was bedeutet das nun für den Lebensraum Nordsee? Meeresbiologen der Biologischen Anstalt Helgoland beobachten, dass sich die Lebensgemeinschaften den neuen Verhältnissen anpassen. Angefangen von den Kieselalgen, die in ihrem Wachstum stark von der umgebenden Wassertemperatur abhängig sind und am Anfang des Nahrungsnetzes im Meeresökosystem stehen, bis zu den größten Meeressäugern, den Walen. Das wärmere Nordseewasser zieht nach Beobachtungen der britischen Seawatch Foundation immer mehr Delfine und Buckelwale an, die bisher nur an der Südwestküste Englands vorkamen. Nun werden sie vermehrt vor der schottischen Nordseeküste von Aberdeenshire gesichtet. Auch Fische aus wärmeren Gefilden und Taschenkrebse fühlen sich mittlerweile in der Nordsee wohl. Typische Nordseefische wie der Kabeljau ziehen dagegen nach Norden ab, weil es ihnen zu warm wird. Das heißt, schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Artenspektrum und damit das gesamte Ökosystem der Nordsee durcheinander gerät.