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Geburtenrekord bei Kegelrobben im Wattenmeer


Foto: pixelquelle.de

Literaturempfehlung

Jahrhunderte lang zogen sich die Kegelrobben aus der südlichen Nordsee zurück. Mittlerweile geben neueste Zählungen Grund zu Optimismus. Die Tendenz, dass sich wieder mehr Kegelrobben im südlichen Nordseeraum ansiedeln, scheint sich zu bestätigen.

Überall sind deutlich mehr Junge gesichtet worden als zuvor. In Schleswig-Holstein gibt es einen Nachwuchs von ca. 50 Tieren, davon 21 vor Helgoland. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer meldet 23 erwachsene Kegelrobben und bis jetzt 19 Neugeborene. Hier ist die Freude besonders groß, denn das kann bedeuten, dass sich auch hier, auf der Kachelotplate westlich von Juist, eine neue Kegelrobbenkolonie ansiedelt.

Kegelrobben haben sich eine ruppige Zeit ausgesucht, um auf die Welt zu kommen: den Winter. Die ersten Robbenbabys sind Ende November auf der Helgoländer Düne bei stürmischem Wetter geboren worden. Neugeborene Kegelrobben brauchen ungestörte und hochwasserfreie Ruheplätze, die die Weibchen und Männchen schon einen Monat vor der Geburt aufsuchen. Die Jungtiere kommen mit einem langen, weißen Fell auf die Welt, das die Kleinen sehr gut vor der Kälte aber nicht ausreichend vor der Nässe bewahrt. Sie können zwar von Geburt an schwimmen, meiden aber das kalte Nordseewasser bis zum Fellwechsel im März.

Innerhalb von drei Wochen fressen sich die 10 bis 14 kg schweren Neugeborenen eine dicke Speckschicht an und wiegen dann schon ca. 50 kg. Nun bekommen sie das Fell, das dann schon dem kurzhaarigen der erwachsenen Tiere ähnelt. Männchen und Weibchen sind sehr leicht zu unterscheiden. Das Fell der männlichen Tiere ist dunkel mit hellen Flecken, die Weibchen haben ein helles Fell mit dunklen Flecken. Ausgewachsene Kegelrobbenmännchen können bis zu 2,30 m lang werden und erreichen bis zu 300 kg, die bis zu 1,90 m langen Weibchen wiegen nur etwa die Hälfte.

Kegelrobben werden mit 4 bis 7 Jahren geschlechtsreif, sind aber erst mit 10 Jahren ausgewachsen. Sie können bis zu 45 Jahre alt werden. Ihre Hauptnahrung besteht aus Fisch wie Dorsch oder Plattfischen, sie weichen aber auch schon mal auf Krabben und Muscheln aus.

Vor einigen Jahrhunderten verschwanden die Kegelrobben aus der südlichen Nordsee. Doch seit ein paar Jahren kehren die als stark gefährdet eingestuften Säuger wieder zurück. Lange gab es nur zwei Kolonien im Wattenmeer: eine recht große bei der niederländischen Insel Terschelling und eine kleine auf den Knobsänden westlich von Amrum. Seit 1989 halten sich 30 bis 70 Robben mit dem für sie typischen kegelförmigen Kopf wieder regelmäßig auf den Helgoländer Dünen auf und seit 1996 bekommen sie Nachwuchs. Die Besiedlungen in den Niederlanden und Dänemark sind deutlich größer. Im gesamten Wattenmeer der Nordsee leben etwa 1300 Kegelrobben.

Die Länder im nördlichen Nordseegebiet klagen eher über das Ansteigen der Robbenpopulationen. An der langen norwegischen Küste leben 4600 Exemplare, wieviele davon an der Nordseeküste ist nicht dokumentiert. Während die Kegelrobben in der südlichen Nordsee begrüßt werden, fürchten die Norweger um ihre Fischzuchtanlagen. Daher haben sie allein 2005 1150 Kegelrobben und 950 andere Robben zur Jagd freigegeben. Um die Orkneyinseln und entlang der schottischen und englischen Küste liegt das zweitgrößte Besiedlungszentrum der „grey seals“ der Welt. Das meisten leben an der Küste Kanadas.

Vor einigen Jahren hat die „Sea Mammal Research Unit“ der University of St. Andrews in Schottland eine umfangreiche Untersuchung der Kegelrobben begonnen, um ihre Lebenbedingungen zu studieren und mögliche negative Einflüsse der Robben auf die Fischerei zu prüfen. Sie stellten fest, dass die Kegelrobben den größten Teil ihrer Nahrung am Meeresboden fischen, in Schottland bevorzugt Sandaale. Im Laufe eines Jahres fressen allein die Kegelrobben 69.000 bis 118.000 Tonnen sogenannten „fatfish“ oder 129.000 bis 220.000 Tonnen Weißfisch. Sie schwimmen 30 bis 50 km weit und bis zu 300 m tief, um sich mit Nahrung zu versorgen. Erstaunlich ist, dass sie über 80 Prozent der Zeit getaucht bleiben. Die letzten, ausgewerteten Zählungen des Institutes stammen aus dem Jahr 2003: An der englischen Nordseeküste halten sich 5.200 Kegelrobben mit ca. 2.000 Jungen, an der schottischen Nordseeküste wurden 6.000 Individuen und 4657 Jungtiere gezählt, 44.900 Exemplare leben bei den Orkneys und bekamen 2003 18.652 Robbenbabys.

Weltweit werden die nur im Nordatlantik, der Ost- und Nordsee vorkommenden Robben auf 150.000 Individuen geschätzt.

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