Heinrich Heine, Dichter und Journalist (1797 – 1856), besuchte mehrmals die Nordsee. Er reiste in den Jahren 1823 bis 1827 nach Cuxhaven, Norderney und Wangerooge. Die meisten Gedichte, die in den Nordsee-Zyklus 1 und 2 eingingen, schrieb er direkt vor Ort. Viele handeln von seiner Bewunderung und Ehrfurcht vor dem Meer:
Das Meer erstrahlt im Sonnenschein,
Als ob es golden wär.
Ihr Brüder, wenn ich sterbe,
Versenkt mich in das Meer.
...
Oder
Es ziehen die brausenden Wellen
Wohl nach dem Strand
...
Auch das bekannte „Lied ans Meer“ ist hier entstanden. Die Norderneyer vermuten, dass er es auf der Marienhöhe geschrieben hat, einer hohen Düne am Westrand von Norderney, auf der Königin Marie von Hannover einen Pavillon zum Andenken an Heine errichten ließ. Heute steht an der gleichen Stelle ein gleichnamiges Cafe.
Das Lied ans Meer
Das Meer erglänzte weit hinaus,
Im letzten Abenscheine;
Wir saßen im einsamen Fischerhaus,
Wir saßen stumm und alleine.
Der Nebel stieg, das Wasser schwoll,
Die Möwe flog hin und wider;
Aus deinen Augen, liebevoll,
Fielen die Tränen nieder.
...
Der dritte Teil des Zyklus ist ein Prosatext, in dem seine Begeisterung für die Natur der Insel Norderney zum Ausdruck kommt:
(...) Gar besonders wunderbar wird mit zumute, wenn ich allein in der Dämmerung am Strande wandle – hinter mir flache Dünen, vor mir das wogende Meer, über mir der Himmel wie eine riesige Kristallkuppel – ich erscheine mir dann selbst sehr ameisenklein, und dennoch dehnt sich meine Seele so weltenweit.(...)
aber auch seine Abneigung gegen die Bewohner und Bewohnerinnen:
Die Eingeborenen sind meistens blutarm und leben vom Fischfang (...).
(...) Gleiche Geisteshöhe oder, besser gesagt, Geistesniedrigkeit (...).
(...) Die Tugend der Insulanerinnen wird durch ihre Hässlichkeit und gar besonders durch ihren Fischgeruch, der mir wenigstens unerträglich war, vorderhand geschützt.(...)
Auch in einigen Artikeln hat er die Inselbewohner so beleidigt, dass er bei seinem letzten Aufenthalt auf Norderney flüchten musste, den Rest seiner Reise verbrachte er dann auf Wangerooge.
Trotzdem haben die Norderneyer 1983 ein Denkmal ihres berühmten Gastes vor dem Haus der Insel aufgestellt, das nach den Entwürfen von 1930 des wegen seiner Arbeit für die Nazis umstrittenen Bildhauers Arno Breker geschaffen wurde.