Flach ist Fjordnorwegen nirgends aber der südliche Teil ist mit seinen mässigen Steigungen noch gut mit dem Fahrrad zu bereisen. Die Fahrradstadt Sandnes mit Norwegens größter Badelandschaft liegt direkt bei Stavanger. Stavanger selbst nennt sich Ölstadt, denn ein großer Teil der Ölgeschäfte Norwegens wird hier abgewickelt und hat Stavanger zur reichsten Stadt des Landes gemacht. Das moderne norwegische Ölmuseum erzählt von der neueren Geschichte. Der Hafenkai von Mekjarvik zeugt von der Kehrseite des Ölreichtums aus der Nordsee: er wurde aus Schrott von der Ölplattform Brent Spar gefertigt, die in den 90er Jahren für Schlagzeilen sorgte, als sie einfach in der Nordsee versenkt werden sollte und sich die Umweltorganisation „Greenpeace“ für eine umweltverträglichere Nutzung einsetzte.
Die Wurzeln der Region reichen bis in die letzte Eiszeit zurück, als sich die ersten Menschen in Norwegen ansiedelten. Funde aus dieser Zeit sind im archäologischen Museum ausgestellt. Aus dem Mittelalter stammen noch Teile einer der bedeutensten Kirchen Norwegens, dem St. Svithus Dom. Eine Besonderheit ist das Konservenmuseum aus der Zeit, als Norwegen noch überwiegend vom Fischfang lebte.
Zwischen Stavanger und Haugesund öffnet sich der große Schlund des Boknafjord, ein beschauliches Segelrevier mit vielen Inseln, die mit geschützten Buchten und Meerengen locken. Das vergleichsweise milde Klima lässt auf den Inseln Gemüseanbau zu, weshalb sie auch die Tomateninseln genannt werden. Das Utstein-Kloster auf Mosterøy ist ein kulturelles Highlight auf den Inseln. Das westlichste Eiland Kvitsøy liegt allein in der offenen Nordsee und ist am besten mit eigenem Boot zu erreichen. Aber auch ohne Wasserfahrzeug ist die Region gut zu bereisen: viele der Inseln sind mit dem Festland oder anderen Inseln über Brücken oder Tunnel verbunden und überall bringen Fähren ihre Gäste zum anderen Ufer.
Wer die vielbefahrene Küstenstaße E39 meiden möchte, kann sich von Stavanger mit der Fähre nach Karmøy übersetzen lassen. Schöne Sandstrände im Westen, eine sanftgewellte Heidelandschaft und im Osten der Karmsund prägen die Landschaft Karmøys. Der Karmsund soll als geschützter Seefahrtsweg nach Norden für den Namen Norwegens gesorgt haben. Der Fährhafen und Segelschiffort Skudeneshavn ist eine besondere Perle Fjordnorwegens. Wie vor 200 Jahren drängen sich alte Fischerhütten an enge Gässchen. Das Museum im alten Mælandsgården klärt über die Geschichte auf. Berühmtheit haben die Kupfergruben von Visnes erlangt, als sie das Kupfer für die Freiheitsstatue von New York geliefert haben. Heute informiert das Grubenmuseum über die Geschichte. Avaldsnes ist vermutlich Norwegens ältester Königssitz. An seiner Stelle steht die Olafskirche mit „Jungfrau Marias Nähnadel“, ein 6,9 Meter hoher Bautastein, besser bekannt als Hinkelstein oder Monolith, der fast die Kirchenwand berührt. Man sagt, dass die Welt untergeht, wenn die „Nähnadel“ an die Kirche kippt. Gleich in der Nähe auf Bukkøy beleuchtet der Wikingergarten das Leben der Wikinger.
Zu beiden Seiten des Karmsunds an der offenen Nordsee liegt die historische Heringsstadt Haugesund. An die Zeit des Heringsfangs erinnert das Dokkenmuseum auf Hasseløy. Bekannt ist Haugesund für seine internationalen Festivals. Beim internationalen Filmfestival wird der skandinavische Filmpreis Amanda vergeben. Als Ferienort ist Haugesund besonders bei Bootseignern beliebt. Im Laufe des Sommers besuchen 6.000 bis 7.000 Freizeitboote den Gästehafen mitten in der Stadt. Weit westlich in der Nordsee lockt die kleinste Gemeinde Norwegens, die Insel Utsira mit ihrem Leuchtturm, den Vogelfelsen und altem Kulturland, ruhesuchende Naturliebhaber an.